Die St.-Michaelis-Kirche in Sagard gehört zu den vier ältesten Gotteshäusern der Insel Rügen. Um 1210 entstand zunächst eine einschiffige, turmlose Saalkirche. Etwa um 1400 wurde der Chorraum zu seiner heutigen Größe umgebaut. Gleichzeitig wurden eine Sakristei angefügt, das Nordschiff errichtet und die Südkapelle gebaut.
Um 1500 erhielt die Kirche ihren Glockenturm. In dieser Zeit wurde auch das Hauptschiff mit einem gotischen Gewölbe versehen. Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Südkapelle zum heutigen Südschiff erweitert.
Das älteste Ausstattungsstück der Kirche ist ein dreiteiliger Wandschrank aus der Zeit um 1450. Ursprünglich war er mit gotischer Malerei versehen. Später wurde er braun gestrichen und mit floralem Schmuck gestaltet.
Der Altaraufsatz wurde in den Jahren 1726/27 von Elias Keßler aus Stralsund geschaffen. Seine Bilder erzählen die Passionsgeschichte Jesu Christi. In halber Höhe befinden sich vier allegorische Figuren, die Geduld, Hoffnung, Liebe und Glauben symbolisieren. Den Abschluss des Altars bildet die Gestalt des auferstandenen Christus.
Der gemalte Altarumhang wurde im Zuge der Restaurierungsarbeiten 1994/95 wiederentdeckt, freigelegt und restauriert.
Die Beichtstühle links und rechts im Chorraum stammen aus der Zeit Schwedisch-Pommerns und sind mit pietistischen Bildern versehen.
Eine besondere Bedeutung hat die zweigeschossige Orgel, die 1795 von Christian Erdmann Kindten fertiggestellt wurde. Sie zählt zu den bedeutenden Spätbarockorgeln Norddeutschlands und gilt als größte Barockorgel der Insel Rügen. Das Instrument besitzt rund 1.200 Pfeifen, 23 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Trakturen sind mechanisch.
Kanzel, Taufständer und Gestühl mussten um 1830 erneuert werden, nachdem die Inneneinrichtung der Kirche während der französischen Besetzung stark beschädigt worden war.
Im Nordschiff befinden sich die Pastorenbilder von Pastor Christkenius, der von 1702 bis 1739 in Sagard tätig war, sowie von seinem Schwiegersohn und Amtsnachfolger Th. Schwarz, der von 1739 bis 1750 Pastor in Sagard war.
Am Ausgang der Kirche steht eine Opfertruhe aus dem Jahr 1742.
Kirchplatz und Brunnenaue
Auf dem Kirchplatz, an der Südseite des Chorraumes, befindet sich die Grabplatte von Pastor Heinrich Christoph von Willich. Er war von 1782 bis 1827 Pastor in Sagard und ließ die Orgel erbauen.
Heinrich Christoph von Willich war außerdem eng mit der Entstehung des Sagarder „Gesundbrunnens“ verbunden. Gemeinsam mit seinem Bruder entstand hier ein Heil- und Trinkbad, durch das Sagard als erstes Bad auf Rügen gilt. Das kleine Wäldchen „Brunnenaue“ hinter dem Pfarrhaus erinnert bis heute an diese besondere Geschichte.
Kirchengemeinde
Die St.-Michaelis-Kirche Sagard gehört zum Pfarramt Sassnitz/Sagard. Zum Pfarramt gehören die St.-Johanniskirche in Sassnitz und die St.-Michaelis-Kirche in Sagard.
Evangelische Gottesdienste finden an jedem Sonntag um 09:00 Uhr statt.
August-Bebel-Straße 16, 18551 Sagard
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